Am Sonntag Judika, dem 22. März 2026, wurde in der Stadtkirche Bad Salzungen zum ersten Mal die Passion nach dem Evangelisten Markus in der Vertonung von Reinhard Keiser (1674-1739) aufgeführt. Das Werk zeichnet sich aus durch den flüssigen Erzählstrang des Evangelisten. Wo in anderen Passionen Choräle und Arien eingefügt werden, reiht sich Rezitativ an Rezitativ. Die wenigen Arien – Betrachtung und Vertiefung des zuvor Gehörten – sind kurzgehalten und wollen nicht von der weiterführenden Handlung lange ablenken. Dies betrifft ebenso die Turba-Chöre, die sich durch ihre Kompaktheit auszeichnen und gerade deshalb sehr wirkungsvoll sind. Einzig ganz zum Schluss wird die Kreuzigung und Grablegung lange betrachtet und betrauert, wenn von dem Choral „O Traurigkeit, o Herzeleid“ alle fünf Strophen gesungen werden. Die vierte Strophe komponierte Keiser als Motette, währenddessen das Orchester als Überstimme die Choralmelodie intoniert. Die Orchesterbesetzung besteht lediglich aus einem Streichquartett mit Kontrabaß, allerdings mit zwei Bratschen. Oboe und Fagott können eingesetzt werden.
Nico Eckert führte als Evangelist professionell und gekonnt durch die Passionsgeschichte hindurch und setzte mit seiner lebendigen Darstellung entscheidende Akzente. Stephan Heinemann, mit seiner tiefen und warmen Baßstimme, sang die Partie des Christus. Auch Friederike Beykirch glänzte als Sopranistin und präsentierte sich wieder in Hochform. Für manche Ohren sicher noch ungewohnt, wurde die Altstimme von einem Mann gesungen. Aber der Komponist selbst schreibt die agierenden Personen Judas, Hoherpriester und Kriegsknecht in der Altlage. Mit Joachim Stegmann konnte ein Altus gewonnen werden, der die Partien – wie alle Solisten – mit einer großen Ausdrucksstärke vortrug.
Ökumenische Stadtkantorei und Motettenchor bestätigten erneut ihre Qualität als Laienchöre. Die Mitteldeutsche Barock-Compagney musizierte zum ersten Mal in der Stadtkirche – und nach dieser Leistung bestimmt nicht zum letzten Mal. Vor allem die Continuogruppe sei hier hervorgehoben, welche die ganze Zeit im Einsatz war und mit hoher Professionalität dem Werk die nötige innere Einheit gab.
Allen Akteuren sei an dieser Stelle nochmal herzlich gedankt für das Musizieren und die einzigartige Leistung an diesem Abend.